Toxische Beziehungen – wenn Bindungen krank machen

2010 – Ein dreizehnjähriges Mädchen sitzt verheult auf dem Boden im Wald. Ihre Haare, ihr Kopf und ihre Schultern sind nass und dreckig. Sie hat Nasenbluten. Das Blut tropft auf den Waldboden und versickert darin.  Es fragt sich was es hier auf der Welt noch soll. Der Grund? Eine neue Schule, intolerante Mitschüler. Sie streicht sich das fleckig gefärbte Haar aus dem Gesicht und blickt nach oben. Die ersten Sterne sind schon zu sehen. Sie lässt den Tag nochmal Review passieren.

Es gab zwischen ihr und den neuen Mitschülern öfter Meinungsverschiedenheiten, egal ob es um den Musikgeschmack, die Billigkleidung die sie aus zweiter Hand hatte, die Tatsache, dass sie schnell fettende Haare hatte oder um das bisschen Übergewicht ging, über sie wurde härter gerichtet als über andere. Während die anderen, mit ähnlichen „Problemen“ einfach ignoriert wurden, wurde sie dafür bestraft. Sie wurde gestoßen, gezwickt, angeschrien und bloß gestellt. An diesem Tag war es besonders schlimm, obwohl der Tag sehr schön startete. Der Junge den sie mochte hatte sie angesprochen und sie gefragt ob sie mal zu ihm heimkommen möchte, weil er sie wirklich cool fand. Das hat dem Mädchen (nennen wir sie H.) aus der Parallelklasse leider nicht gefallen, da sie ihn auch gut fand. H. hat den Moment abgewartet als das Mädchen auf die Toilette ging, schnappte sich ihre Freundinnen und sind ihr auf die Toilette nach, sie haben ihren Kopf in die Toilette gesteckt und sie bloß gestellt. Sie standen ihm Kreis um sie, haben sie ausgelacht und mit dem Finger auf sie gezeigt. Vor lauter Angst hat sie sich eingenässt, woraufhin sie noch mehr Spott erntete.  Die Lehrer standen draußen vor den Fenstern und schauten gekonnt weg.

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2012 – Das Mädchen hatte es nach diesem Vorfall geschafft ihre Mutter zum umziehen zu bewegen. Sie zogen in ein kleines Dorf mit einer kleinen Schule, der Vorteil hierbei war, dass das Mädchen die Leute in der Schule schon von der Grundschule kannte. Sie dachte hier muss es besser werden. Immerhin sind sie doch alle befreundet und im guten auseinander gegangen. Zwei Jahre ging das gut, solange bis H. sie auf einer Social Media Plattform gefunden hat. Sie betitelte das Mädchen als Lügnerin, Feigling, Pipimann, Schlampe,usw. Ihre Freundinnen machten fleißig mit. Es wurde im Internet eine falsche Version dargestellt. Ihre neue Schule glaubte die Sachen im Internet und machte fleißig mit, Teenager sind sehr leicht zu manipulieren. Das Mädchen schwänzte daraufhin die Schule, sie fing an sich selbst zu verletzen, schnitt sich, haute ihren Kopf gegen Wände, verbrannte sich. Sie wusste nicht mit wem sie reden sollte, ihrer Mutter wollte sie so etwas nicht sagen, sie wollte sie nicht verletzen. Sie spielte nach außen zu ihrer Mutter ein fröhliches Kind, ein Kind ohne Sorgen, ohne Ängste. Innerlich zerbrach sie jeden Tag ein Stück mehr. Die Angriffe auf der Social Media Plattform wurden schlimmer – „Bring dich um“ wurde oft geschrieben.

Nach 20 Tagen Schule schwänzen wollte sie stark sein, sie dachte sie würde die Mobber mehr ärgern wenn sie zur Schule ging, sich präsent zeigte, nach außen das fröhliche Mädchen spielte…Fehlanzeige. Nach zwei Stunden ließ sie sich ins Krankenzimmer bringen zusammen mit der Person der sie noch vertrauen konnte. Sie lehnte sich aus dem Fenster um frische Luft zu schnappen und da passierte es. Sie wurde kopfüber aus dem Fenster gezogen und weiter gepisakt. (…)

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Ich möchte auf meinem Blog niemanden etwas vorgaukeln, ich hatte keine schöne Schulzeit… um die Wahrheit zu sagen es war furchtbar. Durch das Mobbing ergaben sich bei mir mehrere „Störungen“, ich wurde krank. Schlafstörungen machten sich bemerkbar. Ich weiß, wie schwer es ist mit jemanden darüber zu reden – aber es ist notwendig. Ich hatte mich damals nach langem hin und her endlich meiner Mutter anvertraut – die ganze Geschichte habe ich ihr jedoch nicht erzählt. Ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machte, immerhin tat sie schon soviel für mich.

Mobbing kann jeden treffen – egal ob in der Schule, Arbeit oder im Internet. Neid, Missgunst, Hass,…das alles sind Gründe dafür. Man greift sich an die letzten Personen von denen man glaubt sie würden einem gut tun… doch das ist nicht immer positiv.

Ich habe mich damals an meinen Freund geklammert, bis ich bemerkte, dass er selbst mich manipulierte und es somit noch schlimmer machte. Er drängte mich dazu, etwas mit ihm, seinem Bekanntenkreis und auch mit meinen Mobbern zu unternehmen – immerhin meint es mir ja niemand schlecht, das sind doch alles Missverständnisse. Diese Handlungen lösten bei mir Stress und Angst aus. Es war wie man so schön sagt eine Toxische Beziehung.

Wie komme ich von toxischen Beziehungen los? 

Für mich war es der effektivste Weg mir selbst in den Hintern zu beißen und mich immer mehr zu distanzieren. Ich habe gelernt Nein zu sagen. Ich habe mich überwunden mir neue Freunde zu suchen, und ich bin in eine Selbsthilfegruppe gegangen. Alleine hätte ich das wohl nicht geschafft. Es ist in Ordnung Hilfe anzunehmen. 

Wie gehe ich mit Mobbingangriffen um? 

  1.  WEHR DICH! – So schwer es auch ist, lass dir nichts gefallen. Du bist wertvoll, egal was andere sagen. Es ist normal vor einem Konflikt Angst zu haben – Ich denke das kennen wir alle. Spring über deinen Schatten,  den genau das bringt deinen Mobber aus seinem Konzept.
  2. Lasst euch nicht ausgrenzen oder isolieren. Es ist nicht leicht unter solchen Umständen, das ist mir bewusst, aber tut euch selbst den Gefallen und haltet Kontakt zu euren Kameraden und Freunden. Nicht alle stehen auf der Seite des Mobbers, einige werden vielleicht auch schikaniert und ihr könnt euch gegenseitig Rückendeckung geben.
  3. Zeigt Selbstbewusstsein. Ganz gleich, ob ihr nun ein klärendes Gespräch sucht oder euch dieses sinnlos erscheint – tretet stets selbstbewusst auf und lasst euch durch ungerechte Anschuldigungen weder verunsichern noch einschüchtern.
  4. Rechtfertigt euch nicht. Ob klein oder groß, dünn oder dick, mit kurzen oder langen Haaren, Glatze oder bunt gefärbt, auf zwei Beinen oder im Rollstuhl, hetero-, homo-, bi- oder transsexuell, evangelisch, katholisch, muslimisch, buddhistisch oder atheistisch, Vegan oder nicht: Eure Eltern haben euch das Leben geschenkt, damit ihr es so lebt, wie es euch gefällt! Es gibt schon genug Umstände, die unser aller Freiheit beschneiden, da müssen wir uns nicht noch von anderen Menschen sagen lassen, wie wir zu sein haben. Wenn ihr euch im tiefsten Innern gut findet, dann bleibt dabei!

 

Ich hoffe ich konnte euch damit ein bisschen helfen, denkt immer dran: Ihr seid nicht allein. Scheut euch nicht davor nach Hilfe zu suchen, mit jemanden zu reden. Ihr könnt auch mir rund um die Uhr schreiben.

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